Leben ohne Krankenversicherung

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Viele Menschen in Deutschland leben ohne Kranken­versicherung.

Wussten Sie das?

zwei Hände, zwischen ihnen ein Fragezeichen
zwei Hände, zwischen ihnen ein Fragezeichen

Für betroffene Menschen bedeutet das, keinen Zugang zur regulären Gesund­heits­versorgung zu haben – oft mit fatalen gesund­heit­lichen Folgen.

Ist es fair, dass manche Menschen keine ärzt­liche Hilfe erhalten oder sich nicht vor Krank­heiten schützen können?

Gesundheit ist ein Menschen­recht.

Laut dem UN-Sozial­pakt muss jedem Menschen im Krank­heits­fall Zugang zu medi­zinischer Ver­sorgung gewährt werden. Auch Deutsch­land hat sich zu diesem Grund­recht ver­pflich­tet.
Seit 2009 gilt in Deutsch­land die all­gemeine Kranken­versicherungs­pflicht.

Bundes­zentrale für poli­tische Bildung (Hg.):
Andreas Wulf: Das Menschen­recht auf Gesund­heit, online: www.bpb.de

Bundes­minis­terium für Gesund­heit: Gesetz­liche Kranken­ver­sicherung, online: www.bundesgesundheitsministerium.de

zwei Hände, zwischen ihnen ein Fragezeichen

Gründe

Doch warum sind trotz der gesetz­lichen Pflicht so viele Menschen ohne Ver­sicherung?

Freiwillig Versicherte

Internationale Studierende

EU-Bürger*innen

Unangemeldet Beschäftigte

Geflüchtete Menschen

Wohnungslose und psychisch kranke Menschen

Gründe

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Die Gründe für Versicherungs­losig­keit sind extrem divers und meist komplex. Sie werden von vielen Fak­toren beein­flusst und haben mit massiver struk­tureller Benach­tei­ligung zu tun.

Viele Menschen haben auch trotz Kranken­ver­sicherungs­schutz keinen ange­messenen Zugang zum Gesund­heits­system. Sie sind Dis­krimi­nierung durch Rassismus, Queer­feind­lich­keit, Ableismus oder Klassismus ausgesetzt. Zudem können Sprach­barrieren und das Fehlen von Über­setz­ungs­mög­lich­keiten eine ange­messene Behand­lung verhindern.

Fallbeispiele

Georgi Dimitrova (Name geändert) arbei­tete jahre­lang auf Bau­stellen. Als er schwer erkrankte und mehrere Monate im Kranken­haus lag, verlor er seinen Job und damit auch seine Kranken­ver­sicherung. Weil er dem Staat nicht zur Last fallen wollte, verzich­tete er darauf, Sozial­leis­tungen zu bean­tragen.

Ohne Ein­kommen konnte er schließ­lich auch seine Wohnung nicht mehr halten. Das Ordnungs­amt räumte seine Wohnung, und da er zu spät kam, um seine Besitz­tümer abzu­holen, wurden diese entsorgt – darunter auch wichtige Doku­mente wie sein Ausweis. Ohne diese Papiere kann er weder Leis­tungen bean­tragen noch eine neue Arbeit auf­nehmen.

Fallbeispiele

Ira Vasilev (Name geändert) wünscht sich Kinder, leidet jedoch an schwerer rheuma­toider Arthri­tis, die ihren Alltag stark beein­träch­tigt und ihr große Schmer­zen berei­tet. Die einzige Hoffnung auf Linde­rung sind spezielle Spritzen, die jedoch 460 Euro pro Stück kosten.

Da sie Asyl­bewerber­leis­tungen bezieht, muss sie die Kosten­über­nahme beim Land­rats­amt bean­tragen. Trotz mehr­erer ärzt­licher Stellung­nahmen von ihrer Haus­ärztin und einem Rheuma­tologen über die Dring­lich­keit der Behand­lung wurde der Antrag wieder­holt abge­lehnt.

Ira hat nun große Angst, unfruchtbar zu werden, wenn sie nicht recht­zeitig behan­delt wird. Doch sie muss noch 30 Monate warten, bis sie Anspruch auf umfassen­dere medi­zi­nische Leis­tungen erhält.

Fallbeispiele

Amina Tesfay (Name geändert) stammt aus Eritrea und erhielt ihren Aufent­halts­titel in Frank­reich, dem ersten Land ihrer Ein­reise in die EU. Seit 2022 lebt sie jedoch mit ihrem kleinen Sohn bei ihrem Partner in Deutsch­land, ohne offi­zielle Anmeldung. Der Ver­mieter erlaubt es nicht, dass sie sich bei ihrem Partner anmeldet, weshalb sie keine Wohn­adresse besitzt.

2023 wurde Amina schwanger und musste sich auf­grund psychischer Belas­tungen mehr­mals stationär behan­deln lassen. Auch die Geburt ihrer Tochter brachte hohe Kosten mit sich. Da sie keine gültigen Papiere vor­weisen kann, ist eine Heirat unmög­lich.

Obwohl ihre fran­zö­sische Kranken­ver­sicherung die Kosten nach langer Verzö­gerung über­nahm, läuft dieser Ver­siche­rungs­schutz bald aus. Es bleibt unklar, wie Amina zukünf­tig versichert werden kann, da sie sich eine frei­willige Mitglied­schaft nicht leisten kann und die fran­zö­sische Versich­erung nur Not­fall­be­hand­lungen sowie Hilfe bei Schwanger­schaft und Geburt abdeckt.

Folgen

Welche Folgen hat die Versicherungs­losigkeit für betroffene Menschen konkret?

Scham und Ängste

Verschlimmerung des Gesundheitszustands

Stigmatisierung

Folgen

Welche Folgen hat es für medi­zinisches Personal und Sozial­berater*innen?

Überlastung

Ressourcenmangel

Unwissenheit

Perspektive für Tübingen

Und wie sieht die Situation in Tübingen aus?

2024 wurden zehn Projekte in Baden-Württem­berg geför­dert, um neue Anlauf­stellen und Clearing­sprech­stunden zu schaffen. Darunter auch zwei Tübinger Einrich­tungen. Die Projekte erar­bei­teten sich wich­tiges Fach­wissen zur Lösung der oft komplexen Fälle.

Trotz erheb­licher Errungen­schaften der Projekte in ihren Regionen hat die Landes­regierung Baden-Württem­berg die Finan­zierung für 2025 wieder gestrichen. Den Clearing­stellen droht dadurch die Schließung und Kommunen sehen sich wieder alleine mit der ethisch und finan­ziell untrag­baren Situa­tion konfrontiert.

Was können Sie tun?

Sie fragen sich, was Sie tun können?

Was können Sie tun?

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Vernetzen

Informieren

Unterstützen

Beratungsstellen

Beratungs­stellen in Baden-Württemberg

Clearingstelle Tübingen/Reutlingen — BaWABS e.V.

Clearing­beratung für Menschen ohne Kranken­ver­sicherung, Beratung und Work­shops für Sozial­beratende und Kliniken
beratung@bawabs.de
+49 1556 6382525

Prout — Aidshilfe Tübingen-Reutlingen e.V.

Gesund­heits­vorsorge für Sexarbeiter*­innen (und andere Frauen) ohne Kranken­ver­sicherung
kontakt@prout-rt-tue.de
+49 152 28716542 oder +49 152 04924133

Medinetz Tübingen e.V.

Anonyme Vermittlung medi­zi­nischer Hilfe für Menschen ohne Kranken­ver­sicherung und ohne Zugang zum Gesund­heits­system
+49 170 2714629
Behandlungsfond: Medinetz Tübingen e.V., IBAN: DE03 3006 0601 0005 7948 84, BIC: DAAEDEDDXXX

Clearingstelle — Malteser Migranten­medizin Stuttgart

Clearing­beratung sowie Haus- und Fach­ärzt­liche Versor­gung für Menschen ohne Kranken­ver­sicherung
regine.martis-cisic@malteser.org
+49 711 92582 39

Clearingstelle — Malteser Migranten­medizin Mannheim

Clearing­beratung sowie Haus- und Fach­ärzt­liche Versor­gung für Menschen ohne Kranken­ver­sicherung
jasmin.zart@malteser.org
+49 621 32491489

Beratungs­stelle Amalie — Diakonisches Werk Mannheim

Gesund­heits­beratung und medi­zi­nische Hilfen für Frauen in der Prosti­tution ohne Kranken­versicherung
info@amalie-mannheim.de
+49 621 28000388

Medinetz Rhein-Neckar e.V.

Anonyme Vermittlung medi­zi­nischer Hilfe für Menschen ohne Kranken­ver­sicherung und ohne Zugang zum Gesund­heits­system
mail@medinetz-rhein-neckar.de
+49 157 75438815
Behandlungsfond: MediNetz Rhein Neckar e.V., IBAN: DE72 6709 2300 0033 1870 68, BIC: GENODE61WNM

Luise — Diakonisches Werk Karlsruhe

Beratung für Menschen in der Prosti­tution ohne Kranken­ver­sicherung
luise@dw-karlsruhe.de
+49 721 20397 102

Medinetz Karlsruhe e.V.

Anonyme Vermittlung medi­zi­nischer Hilfe für Menschen ohne Kranken­ver­sicherung und ohne Zugang zum Gesund­heits­system
mrz.medinetz@web.de
+49 721 66487986

Mitternachts­mission Heilbronn

Behand­lungs­angebot für Menschen in der Prosti­tution
mitternachtsmission@diakonie-heilbronn.de
+49 7131 9644 888

Clearingstelle und Anonymer Behandlungsschein Ulm — DRK Kreisverband Ulm e. V.,

Clearing­beratung und Kosten­übernahme medizi­nischer Behandlung für Menschen ohne Kranken­ver­sicherung
clearingstelle@drk-ulm.de
+49 731 144491

Medinetz Ulm e.V.

Anonyme Vermittlung medi­zi­nischer Hilfe für Menschen ohne Kranken­ver­sicherung und ohne Zugang zum Gesund­heits­system
kontakt@medinetz-ulm.de
+49 1577 0377991
Behandlungsfond: Medinetz Ulm e.V., IBAN: DE21 6305 0000 0021 1530 60, BIC: SOLADES1ULM

P.I.N.K. Kehl — Diakonisches Werk Ortenau

Clearing­beratung für Menschen in der Prosti­tution
pink@diakonie-ortenau.de
+49 7851 7086620

A.B.B.A. — Die Herberge Freidrichshafen

Anonyme ärzt­liche Beratung und Behand­lung für Menschen in Wohnungs­not­lagen
dieherberge.friedrichshafen@vz-fn.drs.de
+49 7541 32130

Medinetz Freiburg e.V.

Anonyme Vermittlung medi­zi­nischer Hilfe für Menschen ohne Kranken­ver­sicherung und ohne Zugang zum Gesund­heits­system
info@medinetz.rasthaus-freiburg.org
+49 761 2088331
Behandlungsfond: U. Armbruster, IBAN: DE42 6809 0000 0017 1090 06, BIC: GENO DE 61 FR 1



Diese Web­story wurde initiiert und umgesetzt von Formate des Dialogs in Koopera­tion mit dem Asylzentrum Tübingen und Bawabs e.V.



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Das Projekt wird gefördert im Rahmen von TAKT — Tübingen aktiv gegen Diskriminierung.
Die Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung des BMFSFJ oder des BAFzA dar. Für inhaltliche Aussagen tragen die Autorinnen und Autoren die Verantwortung.

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